Frauengesundheit im Fokus

Was der Gender Health Gap für Versorgung und Beratung bedeutet

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Rund um den Weltfrauentag wird deutlich, dass Gleichberechtigung auch eine Gesundheitsfrage ist. Der Gender Health Gap gewinnt in der Medizin und Politik aktuell spürbar an Bedeutung. Auch für Makler kann ein gendersensibler Blick auf die Gesundheitsversorgung sinnvoll sein, um Kundinnen gezielt mit passenden Tariflösungen beraten und unterstützen zu können.

Bundesgesundheitsministerin Dorothee Bär bezeichnete Anfang des Jahres Deutschland in einem Interview als „Entwicklungsland in der Frauengesundheit“ und stellte Investitionen von 90 Millionen Euro über fünf Jahre in Aussicht. Ein Schwerpunkt ihrer Legislaturperiode soll damit ausdrücklich auf Forschung, Versorgung und Sichtbarkeit der weiblichen Gesundheit gelegt werden. Denn Medikamente, Studien und selbst Sicherheitsstandards wie Crashtest Dummies wurden lange primär an männlichen Körpern ausgerichtet und das hat Folgen für Diagnostik, Dosierungen und Therapieerfolge.

Warum Erkrankungen, die vor allem Frauen betreffen, spät erkannt werden

Gynäkologische Erkrankungen, die ausschließlich Frauen betreffen, wurden in der Vergangenheit häufig nicht ernst genommen und Beschwerden wie starke Regelschmerzen oder ungewöhnliche Blutungen als psychosomatisch bewertet. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Endometriose: Obwohl mehr als zehn Prozent der Frauen in Deutschland betroffen sind, war die Erkrankung bis vor Kurzem auch weithin unbekannt. Die daraus resultierende fehlende Forschung und lange Diagnostik-Dauer haben neben Arbeitsausfälle, chronische Schmerzen, wiederholte Arztbesuche und eine hohe psychische Belastung auch Folgen für die Fertilität. Jedes siebte Paar in Deutschland ist von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen. Bei der Menopause bestehen ebenfalls erhebliche Wissens- und Versorgungsdefizite, dabei befinden sich rund neun Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren.
Aber auch bei nicht-frauenspezifischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebsvorsorge ist deutlich sichtbar, wie wenig die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Medizin berücksichtigt werden. Herzinfarkte können sich bei Frauen anders äußern als klassisch im Lehrbuch. Eine Studie aus München (MEDEA) zeigte, dass ältere Frauen mit bestimmten Herzinfarktsymptomen durchschnittlich 3,5 Stunden später in die Notaufnahme geschickt wurden als gleichaltrige Männer. Eine regelmäßige Vorsorge ist daher von besonderer Bedeutung.
Frauengesundheit ist damit nicht nur ein Forschungsthema, sondern auch eine Frage von Versorgungsleistungen, Prävention und sozialer Infrastruktur.
  • Katharina Jessel

    KATHARINA JESSEL

    Vorständin Vertrieb & Marketing Konzern Versicherungskammer

    “In der Beratung stellen wir fest, dass Frauen immer häufiger nach umfassender Absicherung und gezielten Vorsorgeleistungen fragen, insbesondere bei Lücken im gesetzlichen Schutz. Maklerinnen und Makler, die diese Anforderungen aktiv aufgreifen und genderspezifisch beraten, leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Gesundheitsvorsorge, sondern erschließen auch neue Marktpotenziale. Deshalb setzen wir 2026 gezielt auf das Thema Vorsorge.”

Was Frauen in der Versicherungsberatung wirklich brauchen

Für den Makler ergibt sich daraus ein klarer Beratungsauftrag: Gesundheit darf nicht durch eine „männliche Brille“ standardisiert werden, sondern muss entlang realer Lebensphasen und typischer Versorgungssituationen individuell betrachtet werden.
Prävention ist ein zentrales Element der Gesundheitsvorsorge, wird jedoch nicht konsequent genug genutzt: Auffällig ist beispielsweise, dass lediglich rund die Hälfte der Frauen in Deutschland den allgemeinen Gesundheits-Check-up zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wahrnimmt. Dabei sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen essenziell, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Hausärzte, Fachärzte und Gesundheitszentren bieten Frauen hierfür eine breite Palette an Screenings und Vorsorgeleistungen an, etwa zur Früherkennung von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Wer diese Angebote konsequent nutzt, kann die Wahrscheinlichkeit früher Interventionen erhöhen und damit langfristig Lebensqualität sowie Prognosen positiv beeinflussen. 
Die Auswahl des passenden Krankenversicherungsschutzes ist dabei von großer Bedeutung, da der richtige Krankenversicherungsschutz  nicht nur den Geldbeutel schont, sondern den Frauen ermöglicht, Untersuchungen und Behandlungen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten wahrzunehmen. Der PKV Premium-Tarif GesundheitVARIO deckt u. a. solche Leistungen wie eine spezialisierte Diagnostik und den Zugang zu Fachärzten ab, einschließlich der Kostenübernahme für Kinderwunschkliniken und künstliche Befruchtungen. Dies erleichtert den Zugang zu Spezialisten und sichert eine qualitativ hochwertige Versorgung.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Flexibilität des Schutzes über verschiedene Lebensphasen hinweg. Hier bietet GesundheitVARIO einen modularen Aufbau, der individuelle Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet und durch ergänzende Bausteine erweitert werden kann. Darüber hinaus ermöglicht dieser Tarif eine Anpassung des Versicherungsschutzes an veränderte Lebenssituationen, ohne dass eine erneute Gesundheitsprüfung notwendig wird.

Gender Health Gap in der Beratung mitdenken

Für Versicherungsmakler ist Frauengesundheit ein zentraler Qualitätsindikator für moderne Beratung und kein bloßes Nischenthema. Denn Frauen bilden einen Großteil unserer Gesellschaft ab und gehören heute auch zu der Zielgruppe der besserverdienenden Angestellten oder haben den Weg in die Selbstständigkeit gewählt. Sich mit der Zielgruppe Frauen in der PKV zu beschäftigen, ist damit für Makler ein Muss. Wer jedoch bei der Absicherung weiterhin einen standardisierten Ansatz verfolgt, ignoriert wesentliche Gesundheitsbedürfnisse. Diese umfassen nicht nur chronische Erkrankungen wie Endometriose, Herausforderungen rund um Kinderwunsch und Wechseljahre,  sondern auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Medikation.
In der Beratungspraxis wird daher die Tiefe der Tarifleistungen entscheidend:
  • Welche Tarife gewährleisten einen verlässlichen Zugang zu spezialisierten Fachärzten?
  • Welche Präventions- und Diagnostikleistungen sind inkludiert?
  • Wie flexibel lässt sich der Versicherungsschutz an unterschiedliche Lebensphasen anpassen?
Eine konsequente Berücksichtigung von gendersensibler Gesundheitsvorsorge macht die Beratung präziser und belastbarer. Sie schafft Vertrauen, da sie die gesundheitliche Realität von Frauen ernst nimmt.
Veröffentlicht am 05. März 2026

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